09 June 2026, 10:05

Bulgakow-Denkmal in Kiew abgerissen – Kulturstreit um ukrainisches Erbe

Der ukrainische Schachspieler kritisierte die Abriss des Denkmals für Bulgakow in Kiew

Bulgakow-Denkmal in Kiew abgerissen – Kulturstreit um ukrainisches Erbe

Am 4. Juni wurde in Kiew ein Denkmal für den Schriftsteller Michail Bulgakow entfernt. Der Beschluss dazu kam vom Stadtrat im Rahmen einer umfassenderen Initiative, Symbole mit Bezug zum russischen Imperialismus abzubauen. Die Statue hatte jahrzehntelang vor dem Bulgakow-Museum am Andrejas-Steg gestanden.

Die Entfernung erfolgte auf Empfehlung des Ukrainischen Instituts für Nationale Erinnerung. Die Behörden richteten sich dabei gegen Kulturpersönlichkeiten, die mit der russischen Imperialpolitik in Verbindung gebracht werden. Befürworter der Maßnahme argumentieren, sie stehe im Einklang mit den Entkolonialisierungsbestrebungen der Ukraine, während Kritiker betonen, Bulgakow bleibe ein unverzichtbarer Teil des Kiewer Erbes.

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Die ukrainische Schachspielerin Olga Popadjuk äußerte sich öffentlich gegen die Entscheidung. Sie nannte den Abbau „sinnlos“ und verwies auf Bulgakows tiefe Verbundenheit mit der Stadt. Der in Kiew geborene Autor arbeitete zunächst als Arzt in der Ukraine, bevor er als Schriftsteller Berühmtheit erlangte. Popadjuk las Der Meister und Margarita mit 14 Jahren und bezeichnete das Werk als prägende Erfahrung.

Sie verteidigte Bulgakows Schaffen als scharfe Kritik an der sowjetischen Zerstörung. Mit einem berühmten Zitat des Autors schloss sie: „Verfall beginnt nicht in den Hausfluren. Die Verwüstung beginnt in den Köpfen.“

Die Entfernung des Denkmals spiegelt die anhaltenden Debatten über das kulturelle Gedächtnis in der Ukraine wider. Während die einen darin einen notwendigen Schritt zur Abkehr vom russischen Einfluss sehen, betrachten andere es als Tilgung einer Schlüsselfigur der Kiewer Geschichte. Die Entscheidung hat sowohl Zustimmung als auch Ablehnung von Seiten der Öffentlichkeit hervorgerufen.

Quelle