Fußball-WM entfacht in Deutschland eine kurze Welle des Patriotismus – doch warum fühlt er sich oft fremd an?
Matteo WolfFußball-WM entfacht in Deutschland eine kurze Welle des Patriotismus – doch warum fühlt er sich oft fremd an?
Alle vier Jahre entfacht die Fußball-Weltmeisterschaft in Deutschland eine seltene Welle nationaler Begeisterung. Das Turnier löst eine Flut von Patriotismus aus, bei der Fans Flaggen schwenken und Fanartikel kaufen. Doch mit offenen Kundgebungen nationaler Freude tut sich das Land oft schwer.
Einzelhändler wie Lidl und Aldi reagieren darauf, indem sie vor jedem Turnier ihre Regale mit Fanartikeln füllen. Viele Deutsche, darunter auch eine Familie, schmücken ihre Autos mit Flaggen, um den Anlass zu feiern. Für manche, wie den Autor dieses Textes, beschränkt sich das Interesse am Fußball auf die Spiele der Nationalmannschaft bei großen Turnieren.
Die Weltmeisterschaft 2006 sticht durch ihre besonders patriotische Stimmung hervor. Eine aktuelle Arte-Dokumentation behauptet, diese Euphorie habe später den Aufstieg von Gruppen wie Pegida und der AfD begünstigt. Auch Politiker zeigen sich zurückhaltend im Umgang mit nationalen Symbolen. 2013 nahm Angela Merkel Hermann Gröhe bei einer Wahlparty eine deutsche Flagge ab. Die damalige Bundeskanzlerin mied in öffentlichen Reden bewusst Begriffe wie „Vaterland“ oder „deutsches Volk“.
Die WM bleibt eine Zeit, in der Deutschland für kurze Momente sichtbaren Patriotismus zulässt. Der Handel nutzt die Begeisterung kommerziell, während die Debatte über nationale Identität weitergeht. Der Zusammenhang zwischen Fußball und politischen Bewegungen bleibt dabei ein viel diskutiertes Thema.






