02 April 2026, 14:05

Jeder zweite junge Mensch erlebt sexualisierte Gewalt im Netz – was jetzt hilft

Karte von Australien, die den Prozentsatz von Minderjährigen in jedem Bundesstaat mit roter Schattierung hervorhebt, begleitet von Text, der besagt, dass Minderjährige wegen einvernehmlichen Sex auf die Sexstraftäterliste gesetzt werden können.

Jeder zweite junge Mensch erlebt sexualisierte Gewalt im Netz – was jetzt hilft

Fast die Hälfte der jungen Menschen in Deutschland ist von sexualisierter Gewalt im Internet betroffen – das ergab eine aktuelle Studie. Die Ergebnisse stammen aus einer Sonderauswertung der Jugendsexualitätsstudie des Bundesinstituts für öffentliche Gesundheit. Expert:innen warnen, dass digitale Übergriffe – von Cybergrooming bis zu Belästigungen – weit verbreitet sind und oft in alltäglichen Chats unter Gleichaltrigen beginnen.

Ein dreijähriges Pilotprojekt in Thüringen ging das Problem direkt an. Die Präventionsexpertin Yasmina Ramdani leitete Workshops an Schulen im gesamten Bundesland und erreichte rund 5.000 Schüler:innen der fünften bis achten Klassen. Ihr Ansatz bestand darin, digitale Erlebnisse in reale Gespräche zu übersetzen, um das Thema leichter besprechbar zu machen.

Eine häufige Form der Übergriffe ist Cybergrooming, bei dem Täter:innen online gezielt das Vertrauen von Kindern aufbauen, um sie später auszubeuten. Doch viele Verstöße passieren auch innerhalb von Freundeskreisen oder Klassenchats – oft aus Naivität oder Gruppendruck. Ramdani betont, dass die Sicherheit von Kindern davon abhängt, wie gut Erwachsene sie auf die Risiken im Netz vorbereiten.

Das Projekt, finanziert von der Thüringer Landesbeauftragten für den Kinderschutz, gilt als bundesweit einzigartige Initiative. Zwar zeigt es Wirkung, doch es gibt keine Daten dazu, wie viele weitere deutsche Schulen ähnliche Programme eingeführt haben. Die Debatte um die Vorwürfe von Collien Fernandes gegen Christian Ulmen hat zusätzlich deutlich gemacht, wie dringend digitale Gewalt als ernstzunehmendes Problem anerkannt werden muss.

Fachleute sind sich einig: Prävention ist weitaus kostengünstiger als die Bewältigung der langfristigen Folgen von Missbrauch. Eltern werden aufgefordert, das eigene Verhalten zu reflektieren und klare Grenzen mit ihren Kindern zu vereinbaren. Offene Gespräche zu Hause gelten als entscheidender Schritt, um Risiken zu verringern.

Das Pilotprojekt in Thüringen hat gezeigt, dass frühzeitige Aufklärung helfen kann, sexualisierte Gewalt im digitalen Raum zu bekämpfen. Da fast jedes zweite junge Mensch betroffen ist, sind Schulen und Familien gefordert, aktiv zu werden. Nun geht es darum, Präventionsmaßnahmen auszuweiten, bevor noch mehr Kinder langfristige Schäden davontragen.

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