Kulturminister Weimer streicht Buchhandlungen von Preis-Shortlist – und löst Eklat aus
Ella Wagner"Spiegel": Weimer lässt Listen von Kultur-Jurymitgliedern erstellen - Kulturminister Weimer streicht Buchhandlungen von Preis-Shortlist – und löst Eklat aus
Kulturminister Weimer löst mit Streichung dreier Buchhandlungen von Preis-Shortlist Kontroverse aus
Bundes kulturminister Wolfram Weimer hat für Aufsehen gesorgt, indem er drei Buchhandlungen von der engen Auswahl für den Deutschen Buchhandlungspreis strich – eine Entscheidung, die im Widerspruch zu den Empfehlungen einer unabhängigen Jury stand. Die betroffenen Betriebe klagen nun gegen den Minister.
Der Streit eskalierte, nachdem Weimers Ministerium zunächst fälschlicherweise behauptet hatte, die Jury selbst habe die Buchhandlungen als unwürdig für die Auszeichnung eingestuft. Später kam heraus, dass stattdessen Hinweise der Verfassungsschutzbehörden die Entscheidung beeinflusst hatten.
Ursprünglich hatte die unabhängige Jury 118 Buchhandlungen aus 483 Bewerbungen für den Preis ausgewählt. Kriterien waren unter anderem das Engagement der Läden für eine vielfältige Literaturlandschaft. Zu den Nominierten zählten die Rote Straße in Göttingen, der Golden Shop in Bremen und die Schwankende Weltkugel in Berlin.
Weimers Ministerium setzte sich jedoch über die Jury-Entscheidung bei drei dieser Buchhandlungen hinweg. Als Begründung wurde auf Erkenntnisse der Sicherheitsbehörden verwiesen. Zunächst hatte das Ministerium behauptet, die Jury habe die Läden für ungeeignet befunden – eine Aussage, die sich als falsch herausstellte.
Die Einmischung wirft grundsätzliche Fragen nach politischer Einflussnahme auf Kulturförderung auf. Weimer hat inzwischen angeordnet, künftig Listen aller Jury-Mitglieder in solchen Verfahren zu erstellen. Kritiker befürchten, dass dies weitere Eingriffe in künftige Preisvergaben ermöglichen könnte.
Die ausgeschlossen Buchhandlungen haben daraufhin Klage gegen Weimer eingereicht. Ihre rechtlichen Schritte zielen darauf ab, die Befugnis des Ministers anzufechten, die unabhängige Bewertung der Jury zu überstimmen.
Der Fall zeigt die Spannungen zwischen ministerieller Aufsicht und der Autonomie von Kulturpreis-Jurys. Die anhängigen Klagen könnten klären, ob Weimers Vorgehen rechtmäßig war. Gleichzeitig könnte die neue Pflicht, Jury-Mitglieder offenlegen zu müssen, künftige Kulturpreise nachhaltig verändern.






