01 May 2026, 16:12

Ländliche Dörfer kämpfen um ihre Zeitung: Warum die OTZ in Greiz verschwand

Eine Zeitung mit sichtbarem Text in der Mitte des Bildes.

Ländliche Dörfer kämpfen um ihre Zeitung: Warum die OTZ in Greiz verschwand

Im Frühling 2023 stellte die Funke Mediengruppe die Zustellung der gedruckten Ostthüringer Zeitung (OTZ) in elf ländlichen Dörfern bei Greiz ein. Der Verlag bezeichnete die Region als „Modellgebiet für die Digitalisierung ländlicher Räume“, stieß aber auf sofortigen Widerstand. Viele Einwohner greifen seitdem auf kostenlose Kleinanzeigenportale oder parteiische Online-Medien zurück.

Die Entscheidung, die Printausgabe einzustellen, war vor allem eine Kostenfrage. Funke nannte die hohen Vertriebskosten in der dünn besiedelten Vogtland-Region als Hauptgrund. Vor der Umstellung hatte die OTZ im Testgebiet etwa 300 Abonnenten. Doch fast die Hälfte – 47 Prozent – kündigte nach dem Wechsel zum rein digitalen Angebot.

Die Maßnahme traf Dörfer, die ohnehin schon mit schrumpfender Infrastruktur kämpften, besonders hart. Funke räumte später ein, den Unmut der Leser unterschätzt zu haben. Eine achtwöchige Vorbereitungsphase reichte bei Weitem nicht aus, um den Übergang zu erleichtern.

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Die Anwohner machten klar, was sie wollten: mehr investigativen Journalismus, ausführlichere Hintergrundberichte und eine größere Vielfalt an Perspektiven. Die Lücke, die die OTZ hinterließ, füllten schnell kostenlose Anzeigenplattformen und politisch ausgerichtete Medien – darunter eine Online-Plattform mit Unterstützung der AfD.

Das Netzwerk Recherche reagierte mit der Einrichtung eines „Servicepoints für Lokaljournalismus“. Das Projekt soll Journalisten in ländlichen Regionen bei Recherchetechniken, praktischen Herausforderungen und ethischen Fragen unterstützen. Zudem kam es zu dem Schluss, dass der Lokaljournalismus über die klassische Berichterstattung von Routineereignissen hinauswachsen muss, um überlebensfähig zu bleiben.

Der Wechsel von Print zu Digital in der Region Greiz hat die Art und Weise, wie Menschen Nachrichten konsumieren, grundlegend verändert. Abonnentenverluste und der Aufstieg alternativer Medien zeigen die bevorstehenden Herausforderungen. Vorerst dient die Region als Testfall dafür, wie sich ländlicher Journalismus anpassen kann – oder auch nicht.

Quelle