Migrationsstreit spaltet CDU und EU-Parlament: Merz unter Druck, Weber in der Kritik
Tim LangMigrationsstreit spaltet CDU und EU-Parlament: Merz unter Druck, Weber in der Kritik
Spannungen in der Migrationspolitik spalten CDU und Europäisches Parlament
Die Konflikte um die Migrationspolitik haben innerhalb der deutschen CDU und des Europäischen Parlaments für Aufruhr gesorgt. Friedrich Merz, der Parteivorsitzende, liegt im Clinch mit EVP-Chef Manfred Weber wegen angeblicher Zusammenarbeit mit rechtsextremen Gruppen. Gleichzeitig erhöhen die jüngsten Wahlerfolge der AfD in Bayern und Hessen den Druck auf die etablierten Parteien, ihre Strategie zu überdenken.
Der Streit offenbart tiefe Gräben in der Asyl- und Abschiebepolitik. Merz sieht sich nun Kritik ausgesetzt, weil er sich zunehmend der traditionellen Linie der CDU annähert, statt die versprochenen Reformen umzusetzen.
Auslöser des Konflikts waren Berichte, wonach Webers EVP-Fraktion Gespräche mit rechtsextremen Europaabgeordneten geführt habe – darunter auch AfD-Mitglieder –, um strengere Migrationsgesetze voranzutreiben. Eine WhatsApp-Gruppe und ein Treffen am 4. März sollen der Ausarbeitung von Vorschlägen gedient haben, Asylverfahren auszulagern und Rückführungszentren einzurichten. Dies passt in eine Reihe von Kooperationen, etwa eine rechtspopulistische Mehrheit im vergangenen Jahr, die den Asylschutz schwächte und Lieferkettenregeln verwässerte.
Merz reagierte mit scharfer Kritik und forderte Weber auf, diese Praktiken zu beenden und Konsequenzen zu ziehen. Sein Ausbruch erfolgte vor dem Hintergrund wütender Reaktionen deutscher Politiker, die EVP-Abgeordneten vorwarfen, Bemühungen zur Durchsetzung von Abschiebungen abgelehnter Asylbewerber zu untergraben. Doch auch Merz selbst zeigt sich zunehmend kompromissbereit – Kritiker werfen ihm vor, sich trotz früherer Reformversprechen wieder der etablierten CDU-Linie anzunähern.
Die SPD droht unterdessen, jede Resolution des EU-Parlaments zur Migration zu blockieren, und kündigt an, "alle Mittel auszuschöpfen", um sie zu verzögern oder abzuschwächen. Gleichzeitig ehrte Merz auf dem jüngsten CDU-Parteitag Angela Merkel als "liebe Angela" – eine Geste, die seine Hinwendung zum gemäßigteren Parteiflügel unterstrich.
Die politischen Folgen reichen über Deutschland hinaus. Der schwedische Demokraten-Europaabgeordnete Charlie Weimers kritisierte Berlins "Brandmauer-Logik" und argumentierte, Europa dürfe sich nicht länger von Deutschlands Weigerung, mit rechtspopulistischen Parteien zusammenzuarbeiten, einschränken lassen. Seine Äußerungen spiegeln die Frustration über den wachsenden Einfluss der AfD wider, die in Bayern und Hessen ihre Unterstützung verdoppelte und in mehr Kommunen die Mehrheit errang – ohne wie sonst üblich von Koalitionsgesprächen ausgeschlossen zu werden.
Die ohnehin fragile Einigung in der Migrationspolitik steht nun vor dem Kollaps, da die Unionsführung sowohl von der linken Opposition als auch aus den eigenen Reihen unter Druck gerät. Merz' angekündigte Reformen scheinen ins Stocken geraten, während seine jüngsten Schritte eher an die traditionelle CDU-Linie erinnern als an echten Wandel.
Beobachter verfolgen gespannt, ob die Verschiebungen im Europaparlament ähnliche Entwicklungen auf Landes- und Bundesebene nach sich ziehen könnten – falls der politische Wille mit der wachsenden Nachfrage nach strengeren Asylregelungen einhergeht.






