30 March 2026, 14:09

Syriens fragiler Neuanfang: Demokratie oder neuer Autoritarismus nach Assads Sturz?

Schwarzes und weißes architektonisches Zeichnung von Berlin mit dichtem Gebäuden, Bäumen und Strommasten, beschriftet mit "Künstler's plan of Berlin" unten.

Syriens fragiler Neuanfang: Demokratie oder neuer Autoritarismus nach Assads Sturz?

Syrien am Scheideweg nach dem Sturz von Baschar al-Assads Regime im Dezember 2024

Die internationale Gemeinschaft, darunter auch Deutschland, richtet ihren Blick nun auf den Wiederaufbau und demokratische Reformen in Syrien. Doch zivilgesellschaftliche Gruppen warnen: Ohne stärkere Schutzmechanismen könnte der fragile Übergangsprozess unter erneuten autoritären Tendenzen scheitern.

Während des Besuchs des syrischen Übergangspräsidenten Ahmed al-Sharaa in Berlin forderten Aktivist:innen die deutsche Regierung auf, ihr Engagement über die Übergangsregierung hinaus auszuweiten. Sie betonten die Notwendigkeit rechtlicher Garantien, lokaler Teilhabe und konkreter Schritte hin zur Demokratie – bevor Wiederaufbauhilfen ungebunden fließen.

Der Zusammenbruch der Assad-Regierung im Dezember 2024 habe eine "historische Chance" für Syrien eröffnet, so Sophie Bischoff, Mitgründerin von Adopt a Revolution. Die Organisation, die seit 2011 lokale Zivilgesellschaft unterstützt, begrüßte al-Sharaas Berlin-Reise zwar als "richtigen Schritt" – allerdings nur, wenn dieser an demokratische Auflagen geknüpft sei. Bischoff warnte, die Übergangsführung zeige bereits autoritäre Züge, darunter Versuche, kritische Stimmen zum Schweigen zu bringen.

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Deutschland hat über das Entwicklungsministerium (BMZ) für 2025 Mittel in Höhe von 218 Millionen Euro zugesagt, unter anderem für Projekte wie die Plattform Neuanfang für Syrien. Seit Februar 2025 vernetzt diese deutsche NGOs mit syrischen Partnern. Vor Ort bauen Organisationen wie Grünhelme Schulen im Nordwesten Syriens und bei Homs wieder auf, während Help mit lokalen Gruppen 1,3 Millionen Menschen unterstützt. Eine Vereinbarung mit dem Technischen Hilfswerk (THW) aus dem Jahr 2026 stärkt zudem die Zusammenarbeit in der Katastrophenhilfe.

Doch die Skepsis der Aktivist:innen bleibt. Farhad Ahma vom syrischen Kulturzentrum PEL-Civil Waves kritisierte, Berlin konzentriere sich zu einseitig auf die Übergangsregierung und schließe Basisbewegungen aus. Adopt a Revolution forderte zudem bessere rechtliche Absicherungen für Syrer:innen in Deutschland, die nach Syrien reisen – viele fürchten willkürliche Restriktionen. Bischoff warf Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) vor, Hilfe an die Wiederaufnahme von Abschiebungen zu knüpfen – ein Schritt, der das Vertrauen in Deutschlands Engagement für demokratische Reformen untergrabe.

International wird Syriens Übergang mit Zurückhaltung begleitet. Geplant sind unter anderem die Ausarbeitung einer neuen Verfassung bis 2030 mit breiter gesellschaftlicher Beteiligung und der Wiederaufbau zentraler Institutionen. Doch ohne stärkere Garantien für Zivilgesellschaft und Minderheitenrechte, so die Kritik, drohe der Wiederaufbau alte Machtstrukturen unter neuem Namen zu zementieren.

Deutschlands finanzielle und logistische Unterstützung für Syrien läuft bereits an – von Schulreparaturen bis zur Katastrophenhilfe. Der Berlin-Besuch der Übergangsregierung signalisiert zwar Dialogbereitschaft, doch zivilgesellschaftliche Gruppen bestehen auf verbindliche demokratische Reformen.

Für Aktivist:innen wie Bischoff und Ahma ist die Priorität klar: Der Wiederaufbau darf nicht auf Kosten politischer Freiheiten gehen. Ihre Forderungen – rechtlicher Schutz, lokale Einbindung und Kontrollen gegen Autoritarismus – werden entscheiden, ob Syriens Übergang nachhaltigen Wandel bringt oder alte Fehler wiederholt.

Quelle