UniCredit überrascht mit 35-Milliarden-Offerte für Commerzbank – Märkte reagieren gespalten
Tim LangUniCredit überrascht mit 35-Milliarden-Offerte für Commerzbank – Märkte reagieren gespalten
Überraschendes Übernahmeangebot von UniCredit für Commerzbank lässt Märkte am Montag erzittern
Das unerwartete Übernahmeangebot der italienischen UniCredit für die Commerzbank sorgte am Montag für Aufsehen an den Märkten und trieb die Aktie des deutschen Geldhauses um fast 10 % nach oben. Das im Rahmen eines Aktientauschs unterbreitete 35-Milliarden-Euro-Angebot überlagerte dabei die anhaltenden Sorgen über steigende Ölpreise und deren Auswirkungen auf zyklische Werte. Nun warten Anleger gespannt auf die Reaktion der Commerzbank-Führung und der Aufsichtsbehörden, während das Schicksal des Deals in der Schwebe hängt.
UniCredit schlug ein Umtauschverhältnis von 0,485 neuen UniCredit-Aktien pro Commerzbank-Aktie vor, was einem Bewertungsangebot von 30,80 Euro je Aktie entspricht. Branchenbeobachter werten den Schritt als taktischen Zug des UniCredit-Chefs Andrea Orcel, um die Commerzbank-Vorstandsvorsitzende Bettina Orlopp an den Verhandlungstisch zu zwingen. Doch der Widerstand formiert sich bereits: Die deutsche Bundesregierung, die Gewerkschaft Verdi sowie der Betriebsrat der Commerzbank verurteilten den Übernahmeversuch einstimmig.
Der Zeitpunkt des Angebots fällt mit einem Wandel in der deutschen Haltung gegenüber ausländischen Bankenübernahmen zusammen. Nach Jahren des Protektionismus – einschließlich staatlicher Eingriffe während der Finanzkrise 2008 – hatte die Bundesregierung erst im September 2024 einen 4,49-Prozent-Anteil an der Commerzbank an UniCredit veräußert. Doch nun stößt das aktuelle Übernahmeangebot auf massive Ablehnung, angeführt von Orlopp, die sich gegen eine vollständige Übernahme stemmt. Kleinere ausländische Beteiligungen, wie der 3-Prozent-Einstieg der Capital Group bei der Deutschen Bank Anfang dieses Jahres, waren dagegen ohne regulatorische Hürden erfolgt.
Die Markt Reaktionen fielen gemischt aus. Der Kursprung der Commerzbank stützte zwar den Gesamtindex, doch der DAX blieb unter seinem 50-Tage-Durchschnitt. Die Belastung durch die Ölpreise drückte vor allem Reisewerte: Lufthansa und TUI verzeichneten beide Verluste. Bayer legte dank positiver Studiendaten zu, Siemens Energy verbuchte Gewinne, während Beiersdorf nachgab. Händler beobachten nun die Marke von 22.900 Punkten im DAX als entscheidende Unterstützungsgrenze – ein Fall darunter könnte weitere Verkäufe auslösen.
Ob das Angebot Erfolg hat, hängt in den kommenden Tagen von den politischen und unternehmerischen Reaktionen ab. Die Führung der Commerzbank und die deutschen Aufsichtsbehörden halten den Schlüssel für das weitere Vorgehen in der Hand. Vorerst hat das Übernahmeangebot jedoch für zusätzliche Volatilität gesorgt: Die Richtung des DAX ist eng mit dem Ausgang der Verhandlungen verknüpft.