10 May 2026, 20:05

Wie Hindenburgs Flaggenstreit die Weimarer Republik weiter spaltete

Ein Plakat mit einer Deutschlandkarte und Nazi-Symbolen sowie dem Text "Weiter mit Hitler" in den Farben Rot, Weiß und Blau.

Wie Hindenburgs Flaggenstreit die Weimarer Republik weiter spaltete

Ein erbitterter Streit um die Nationalflagge spaltete die Weimarer Republik jahrelang. Der Konflikt entzündete sich zwischen dem politischen rechten Lager auf der einen und der Linken sowie der Mitte auf der anderen Seite, die jeweils unterschiedliche nationale Farben unterstützten. Am 5. Mai 1926 griff Reichspräsident Paul von Hindenburg mit einem Erlass ein, der die Auseinandersetzung beilegen sollte – doch er vertiefte die Gräben nur weiter.

Die Kontroverse hatte sich längst vor 1926 zugespitzt. Konservative und Nationalisten bevorzugten die alten kaiserlichen Farben Schwarz-Weiß-Rot, während Republikaner und linksgerichtete Gruppen zu Schwarz-Rot-Gold standen, den Farben der jungen Weimarer Republik. Bis zur Reichspräsidentenwahl 1925 hatte sich die Spaltung in zwei Blöcke verfestigt: den „Schwarz-Rot-Goldenen Volksblock“ und den „Schwarz-Weiß-Roten Reichsblock“.

Hindenburgs Wahlsieg 1925 bestärkte die Rechte. Sie sah nun eine Chance, ihre Flaggenagenda voranzutreiben. Der Reichskunstwart Edwin Redslob erhielt den Auftrag, eine einheitliche „Reichsflagge“ zu entwerfen – scheiterte jedoch. Sein Vorschlag, ein rot-gelbes Feld mit schwarzem Balkenkreuz, fand keine Zustimmung.

Als Reaktion erließ Hindenburg die Zweite Flaggenverordnung. Der Erlass bestimmte, dass deutsche Botschaften und Konsulate außerhalb Europas sowohl die schwarz-rot-goldene Trikolore als auch die schwarz-weiß-rote Handelsflagge mit den kaiserlichen Farben in der Ecke hissen mussten. Die Maßnahme war kalkuliert: Sie sollte die Rechte besänftigen, während die Linke und die Mitte gezwungen wurden, sich hinter den republikanischen Farben zu versammeln. Doch der Streit schwelte weiter bis 1933 – ein anhaltendes Symbol für die inneren Zerwürfnisse der Republik.

Deutschland war mit solchen Konflikten nicht allein. Auch Frankreich, Kanada und das Vereinigte Königreich hatten erbitterte Debatten über nationale Symbole durchlebt.

Die Verordnung von 1926 trug kaum zur Versöhnung bei. Stattdessen wurde sie zu einem weiteren Zankapfel in den politischen Machtkämpfen der Weimarer Republik. Die Flaggenfrage blieb bis zum Untergang der Republik ungelöst und hinterließ ein Erbe ungelöster Spannungen.

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