Apotheker protestieren gegen umstrittene Ruhestandsgebühr in Hessen
Greta SchneiderApotheker protestieren gegen umstrittene Ruhestandsgebühr in Hessen
Apotheker in ganz Deutschland gehen auf die Straße
Fast 25.000 Apotheker haben gegen eine neue Gebühr protestiert, die auf ihre beruheständigten Kollegen erhoben wird. Im Mittelpunkt des Streits steht eine vierteljährliche Abgabe von 40 Euro, die von der Landesapothekerkammer Hessen (LAK) eingeführt wurde.
Gleichzeitig hat die Eintreibung der Gebühr zu einem Katz-und-Maus-Spiel zwischen Behörden und rentenunwilligen Apothekern geführt. Die Abgabe geht auf eine aktuelle Gesetzesänderung zurück, die Ruheständler zur Zahlung an die LAK verpflichtet. Friedrich Geerth, Abteilungsleiter der Kammer, leitet die Eintreibungsaktion mit dem Codenamen "Aktion Abendsonne" (KoReLa). Um den Widerstand zu mildern, startete die Kammer eine "Service-Offensive" und bietet als Gegenleistung Vergünstigungen wie VHS-Kurse, Aqua-Fitness-Stunden und Senioren-Fahrkarten an.
Leon-Luca Wagner-Neumann, ein junger Mitarbeiter der Generation Z, sollte die Gebühr von Dr. Roswitha Hinkebein eintreiben, einer Apothekerin, die seit 1972 zugelassen ist. Doch seine Versuche scheiterten immer wieder. Die 82-jährige Dr. Hinkebein blieb ihm stets einen Schritt voraus – mit Morgengymnastik, einem Abstecher in die Apotheke, einem Besuch beim Metzger, Kochkursen und gesellschaftlichen Veranstaltungen. Telefonate brachten nichts: Viele Rentner weigerten sich oder kämpften mit veralteter Technik.
Einmal fast erwischte Wagner-Neumann sie an einer Bushaltestelle – doch Dr. Hinkebein stieg kurzerhand in einen Ausflugsbus Richtung Lüneburger Heide. Den Nachmittag verbrachte sie bei einer Kaffee-und-Kuchen-Tour, während der junge Mitarbeiter erneut mit leeren Händen dastand.
Der Konflikt eskaliert, während die Gesundheitsfinanzkommission am Montag weitreichende Sparmaßnahmen ankündigen will. Die Pläne sehen Kürzungen in Höhe von zig Milliarden im Gesundheitswesen vor. Ärzte warnen bereits vor den Folgen: Dr. Andreas Gassen, Vorsitzender des Spitzenverbandes der Gesetzlichen Krankenversicherung (KBV), erklärte, dass sinkende Honorare Praxen zwingen könnten, die Zahl der Termine zu reduzieren.
Die LAK-Gebühr hat landesweit Empörung ausgelöst – in mehreren Städten kam es zu Protesten. Die Ruheständler weichen den Zahlungen weiterhin mit einer Mischung aus Entschlossenheit und altbewährten Ausweichstrategien aus. Angesichts der drohenden Kürzungen im Gesundheitssektor zeigt sich: Die Spannungen zwischen Berufsständen und Regulierungsbehörden werden so schnell nicht nachlassen.






