Dänemarks Apothekenreformen: Mehr Wettbewerb, weniger Unabhängigkeit und wachsende Probleme
Ella WagnerDänemarks Apothekenreformen: Mehr Wettbewerb, weniger Unabhängigkeit und wachsende Probleme
Dänemarks Apothekenbranche im Wandel: Liberalisierung bringt Chancen und Herausforderungen
Seit 2001 hat der dänische Apothekensektor tiefgreifende Veränderungen durchlaufen. Marktliberalisierung und strengere finanzielle Kontrollen haben die Branche neu geformt. Aktuelle Reformen führten zu weniger unabhängigen Inhabern, größeren Ketten und neuem Wettbewerb durch Einzelhändler, die rezeptfreie Medikamente anbieten. Doch diese Entwicklungen brachten auch Probleme mit sich – etwa Personalmangel und finanzielle Strafen bei Überschreitung der Verkaufsgrenzen.
Die dänische Regierung begann 2001, die Besitzverhältnisse von Apotheken zu liberalisieren, und ermöglichte Einzelpersonen, mehrere Standorte zu betreiben. 2015 lag die durchschnittliche Anzahl der Filialen pro Inhaber bei 1,95 – heute sind es bereits 3,10. Zwar ist die Gesamtzahl der Apotheken gestiegen, doch viele wurden verkleinert, um Platz für Rezeptabholstellen und temporäre Ausgabestellen zu schaffen.
Der Wettbewerb verschärfte sich, als Einzelhandelsketten in den Markt für rezeptfreie Arzneimittel eintraten. Apotheken, die ihre Verkaufsobergrenzen überschreiten, müssen mit Sanktionen rechnen: Überschüssige Erlöse in Höhe von 490 Millionen dänischen Kronen (66 Millionen Euro) wurden per Gesetz als "sektorale Abgabe" festgeschrieben. Gleichzeitig hält der Fachkräftemangel an – nur 15 Prozent der Apothekenabsolventen der letzten zehn Jahre entschieden sich für eine Tätigkeit in der öffentlichen Apotheke.
Dr. Claus Pöhlmann untersuchte in einer Studie, ob das dänische Modell auf Deutschland übertragbar wäre. Seine Ergebnisse deuten darauf hin, dass die meisten Reformen weder Qualität noch Sicherheit im deutschen System verbessern würden. Pöhlmann warnte, ein Abschied von der traditionellen Struktur der deutschen Vor-Ort-Apotheken wäre ein Zeichen für das Scheitern der Gesundheitspolitik und verwies auf gebrochene Regierungszusagen.
Dänemarks Apothekenreformen haben zwar den Zugang zu Medikamenten erweitert, aber auch finanzielle und personelle Belastungen geschaffen. Der Sektor steht nun vor der Herausforderung, das Wachstum der Filialzahlen mit schrumpfender Unabhängigkeit und steigendem Wettbewerb in Einklang zu bringen. Für Deutschland bietet die dänische Erfahrung kaum Belege dafür, dass ähnliche Änderungen das eigene Apothekennetz stärken würden.
