30 June 2026, 00:09

Deutsche Industrie flieht ins Ausland – Arbeitsplätze und Forschung wandern ab

Bis zu 100.000 Arbeitsplätze in Gefahr: Wohin die deutsche Industrie zählweise abwandert

Deutsche Industrie flieht ins Ausland – Arbeitsplätze und Forschung wandern ab

Deutsche Industrieunternehmen verlagern Produktion und Forschung ins Ausland, um Kosten zu senken und sich globalen Herausforderungen anzupassen. Hohe Lohnkosten, bürokratische Hürden und teure Energie treiben diese Entwicklung voran. Die meisten Unternehmen planen zwar, ihre Kernaktivitäten in Deutschland zu behalten, bauen ihre Aktivitäten aber gleichzeitig in anderen Regionen aus.

Fast jedes befragte Industrieunternehmen strebt an, bis 2030 seine Präsenz in Indien auszuweiten. Die Firmen erwarten ein durchschnittliches Umsatzwachstum von 4 Prozent, rechnen jedoch mit nur wenigen neuen Arbeitsplätzen in Deutschland. Lediglich 16 Prozent der Unternehmen beabsichtigen, ihre Belegschaft in Deutschland zu vergrößern – das Wachstum konzentriert sich stattdessen auf Indien, China, Nordamerika, den Nahen Osten und Afrika.

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Rund 40 Prozent der Investitionsbudgets bis 2030 werden in Deutschland bleiben, vor allem für die Instandhaltung bestehender Standorte und die Automatisierung. Neue Produktionskapazitäten und Arbeitsplätze entstehen jedoch überwiegend in ausländischen Märkten. Zudem verlagern die Unternehmen zunehmend auch Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten und setzen auf eine „lokal für lokal“-Strategie, um regionale Märkte direkt zu bedienen.

Unterbrechungen in den Lieferketten bleiben das größte operationelle Risiko für die Wirtschaft. Steigende Zölle und Handelsbarrieren zwingen die Unternehmen, näher an ihren Kunden zu produzieren. Die Lohnkosten in Deutschland liegen 22 Prozent über dem EU-Durchschnitt und sind mehr als doppelt so hoch wie in asiatischen oder osteuropäischen Ländern – ein weiterer Grund, Aktivitäten ins Ausland zu verlagern.

Arbeitsplatzverluste sind bereits spürbar: Bis zum ersten Quartal 2026 hatte die deutsche Industrie 127.300 Stellen abgebaut, ein Rückgang um 2,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Seit 2019 hat der Sektor insgesamt 341.500 Arbeitsplätze verloren. Der Chemiekonzern Evonik plant, seine Belegschaft um weitere 3.200 Stellen zu reduzieren – vor allem in Deutschland –, nachdem seit 2024 bereits 2.800 Verwaltungsjobs gestrichen wurden.

Deutsche Unternehmen entwickeln sich von reinen Exportnation zu global vernetzten Produktionsstandorten. Hauptsitze und Kernfunktionen bleiben zwar in Deutschland, doch neue Kapazitäten und Forschung werden zunehmend ins Ausland verlagert. Dieser Trend spiegelt die Bemühungen wider, Kosten zu senken, Risiken zu minimieren und in einem sich wandelnden Handelumfeld wettbewerbsfähig zu bleiben.

Quelle