FDP-Streit eskaliert nach Generalsekretär-Interview mit rechtsextremem Medium
Matteo WolfFDP-Streit eskaliert nach Generalsekretär-Interview mit rechtsextremem Medium
In der Freien Demokratischen Partei (FDP) ist ein Streit über ein Interview entbrannt, das ihr Generalsekretär einem rechtsextremen Medium gegeben hat. Die Auseinandersetzung betrifft führende Parteimitglieder und offenbart tiefe Gräben in der Frage, wie mit umstrittenen Medien umgegangen werden soll.
FDP-Generalsekretär Martin Hagen sprach mit der Jungen Freiheit, einem Blatt mit Verbindungen zur rechtsextremen Szene. Er verteidigte seinen Schritt und argumentierte, das Medium sei weder unseriös noch verfassungsfeindlich. Zudem kritisierte Hagen gesellschaftliche Entwicklungen und behauptete, die Debattenkultur habe sich verschlechtert – insbesondere während der Amtszeit von Angela Merkel.
Innerhalb der Partei stieß das Interview auf scharfe Kritik. Sabine Leutheusser-Schnarrenberger, ehemalige Justizministerin und Vertreterin des linken FDP-Flügels, verurteilte das Gespräch. Sie warnte, dass die Zusammenarbeit mit der Jungen Freiheit die rechtspopulistische AfD (Alternative für Deutschland) salonfähig machen könnte.
Die frühere Staatssekretärin Sabine Döring sagte ihre Teilnahme an einer geplanten Podiumsdiskussion als Protest gegen die Wahl des Forums ab. Auch Der Spiegel meldete sich zu Wort und bezeichnete das Interview als Bruch mit einer journalistischen Brandmauer. Hagen hingegen schloss jede Zusammenarbeit mit der AfD aus und betonte, deren ethnonationalistische und antiwestliche Haltung mache sie zu einem ungeeigneten Partner für die FDP.
Nicht alle Parteimitglieder lehnten das Interview ab. Die Vorstandsmitglied Susanne Seehofer lobte Hagens Entscheidung und unterstrich die Bedeutung, sich auch außerhalb politischer Echokammern auszutauschen.
Die Kontroverse zeigt, wie tief die FDP in Fragen der Medienstrategie und politischer Grenzen gespalten ist. Hagens Interview hat eine Debatte über den Umgang der Partei mit rechtsextremen Medien und ihre Haltung zu politischer Diskussion ausgelöst. Die Folgen reichen von öffentlicher Kritik über abgesagte Teilnahmen bis hin zur erneuten Distanzierung von der AfD.
