04 February 2026, 20:16

Grüner Wasserstoff revolutioniert Schlüsselbranchen – wie Thüringen vorangeht

Eine Deutschlandkarte, die Thüringen hervorhebt und seine Grenzen, Städte und andere geografische Merkmale anzeigt.

Grüner Wasserstoff revolutioniert Schlüsselbranchen – wie Thüringen vorangeht

Ein neuer Leitfaden der Friedrich-Schiller-Universität Jena (FSU Jena) und des Vereins SolarInput e.V. zeigt auf, wie Wasserstoff Schlüsselbranchen verändern kann. Unter dem Titel "Grüner Wasserstoff für Industrie & Energie" bietet die Publikation praxisnahe Strategien, um die regionale Wasserstoffwirtschaft in Thüringen und anderen Regionen zu beschleunigen. Grundlage bilden Erkenntnisse aus dem Projekt h2well Markthub, das von März 2023 bis Dezember 2025 mit Bundesförderung lief.

Der Leitfaden konzentriert sich auf vier zentrale Sektoren, in denen Wasserstoff besonders wirksam sein könnte: die Stahl- und Zementindustrie, die Wärme- und Gasinfrastruktur sowie die Abwasserbehandlung. In der Zementproduktion etwa zeigt das Projekt Green Lime Potenzial – hier sind Pläne vorgesehen, jährlich 620.000 Tonnen CO₂ abzuscheiden, was 62 Prozent der Emissionen eines einzelnen Werks entsprechen würde.

Fachleute betonen, dass die Debatte nicht mehr darübers geht, ob Wasserstoff eine Schlüsselrolle spielen wird, sondern wie sein Hochlauf effizient über alle Branchen hinweg gestaltet werden kann. Die Herausforderung liegt darin, den Ausbau der Produktion mit dem Aufbau von Transport- und Verteilnetzen in Einklang zu bringen – ein klassisches Henne-Ei-Problem. Nutzer in Industrie, Mobilität, Wärmeerzeugung und Wasserwirtschaft benötigen stabile Preise, zuverlässige Lieferketten und klare regulatorische Rahmenbedingungen, um Wasserstofflösungen zu übernehmen.

Bis 2050 wird allein die Stahlindustrie voraussichtlich 70 TWh Wasserstoff für die stoffliche Nutzung in Direktreduktionsanlagen (DRI) und weitere 33 TWh für energetische Anwendungen benötigen. Gleichzeitig plant die EU, bis 2027 im Rahmen ihrer Global-Gateway-Initiative 45 Milliarden Euro in grünen Wasserstoff, Stromnetze und digitale Infrastruktur zu investieren.

Der Bericht hebt zudem hervor, dass ein weiterer Ausbau erneuerbarer Energien in Deutschland – kombiniert mit Bundes- und EU-Fördermitteln – einen wettbewerbsfähigen heimischen Wasserstoffmarkt etablieren könnte. Bei günstigen Rahmenbedingungen könnten die Preise innerhalb des nächsten Jahrzehnts auf etwa 3 Euro pro Kilogramm sinken.

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Der Leitfaden bündelt die Forschungsergebnisse des h2well Markthub-Projekts und unterbreitet konkrete Handlungsempfehlungen für Politik und Wirtschaft. Die Erkenntnisse sollen Thüringens Transformation unterstützen und gleichzeitig übergeordnete geopolitische und wirtschaftliche Herausforderungen angehen. Nun geht es darum, diese Strategien umzusetzen, um eine zuverlässige und kostengünstige Wasserstoffversorgung zu gewährleisten.