Hettich-Mitarbeiter verzichten freiwillig auf 1.000 Euro Lohnerhöhung pro Jahr
Tim LangHettich-Mitarbeiter verzichten freiwillig auf 1.000 Euro Lohnerhöhung pro Jahr
Tausende Mitarbeiter des Möbelbeschlagherstellers Hettich haben zugestimmt, eine bereits beschlossene Gehaltserhöhung um ein Jahr zu verschieben. Die Entscheidung fällt in eine Phase anhaltender finanzieller Schwierigkeiten des Unternehmens. In den kommenden zwölf Monaten verzichten die Beschäftigten damit auf jeweils über 1.000 Euro an Einkommen.
Die ursprünglich vereinbarte Lohnerhöhung von 3,1 Prozent sollte eigentlich zum 1. April 2023 in Kraft treten. Hettich verschob die Umsetzung jedoch mit Verweis auf die angespannte finanzielle Lage, die auf jahrelange branchenweite Herausforderungen zurückgeht. Lieferkettenstörungen, hohe Inflation und eine nach der COVID-19-Pandemie schwächere Nachfrage hatten die Gewinnmargen im gesamten Möbelbeschlagsektor stark belastet.
Laut Unternehmensangaben wird die Verschiebung dem Konzern mehrere Millionen Euro einsparen. Hettich bestreitet, Druck auf die Belegschaft ausgeübt zu haben, und betont, dass die Mitarbeiter individuell entscheiden konnten, ob sie dem Vorschlag zustimmen. Dennoch willigten mindestens 90 Prozent der Belegschaft in die Verschiebung ein.
Die Gewerkschaft IG Metall kritisiert den Schritt scharf und wirft Hettich vor, die Beschäftigten faktisch zur Übernahme der Kosten für die finanzielle Erholung des Unternehmens zu zwingen. Das Unternehmen selbst rechnet hingegen bis 2025 oder 2026 mit einer verbesserten Profitabilität – getrieben durch Sparmaßnahmen und eine sich stabilisierende Marktlage.
Durch die verschobene Gehaltserhöhung erhalten die Mitarbeiter bis 2024 weniger Lohn. Hettich erwartet jedoch in den kommenden Jahren höhere Erträge, sobald sich die Marktbedingungen bessern. Vorerst hat sich die Mehrheit der Belegschaft zu diesem vorübergehenden finanziellen Verzicht bereit erklärt.






