Hilfsorganisationen fordern radikale Reform der deutschen Entwicklungspolitik
Greta SchneiderHilfsorganisationen fordern radikale Reform der deutschen Entwicklungspolitik
Zwei führende deutsche Hilfsorganisationen haben ihre jährliche Bewertung der Entwicklungspolitik des Landes vorgestellt. Welthungerhilfe und Terre des Hommes forderten am Mittwoch dringende Reformen und warnten, dass wachsende Krisen, Kriege und der Klimawandel die bisherigen Anstrengungen überfordern.
Mathias Mogge, Generalsekretär der Welthungerhilfe, und Joshua Hofert, sein Amtskollege bei Terre des Hommes, präsentierten ihre Forderungen in Berlin. Sie riefen das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) dazu auf, die Zivilgesellschaft in die Gestaltung der Veränderungen einzubinden. Die Nichtregierungsorganisationen (NGOs) drängten zudem auf eine Erhöhung der Mittel für humanitäre Hilfe – von einer Milliarde Euro auf 2,8 Milliarden Euro im Haushalt des kommenden Jahres.
Mogge betonte, dass die Reform die Qualität der Hilfe über die Quantität stellen müsse. Er forderte weniger Bürokratie und mehr Freiraum für zivilgesellschaftliche Gruppen. Beide Organisationen bestanden darauf, dass die Hilfe bedarfsorientiert, neutral und unabhängig bleiben müsse – und nicht an Sicherheits-, Migrations- oder geopolitische Ziele geknüpft werden dürfe.
Hofert ergänzte, dass die Reform kein von Berlin aus gesteuertes Top-down-Projekt sein dürfe. Er plädierte für eine frühzeitige und verbindliche Einbindung der Partnerländer, der lokalen Zivilgesellschaft und junger Menschen. Die NGOs begrüßten zwar die Neuausrichtung der Politik, kritisierten aber das Fehlen einer klaren Strategie in den Plänen der Ministerin. Zudem wiesen sie darauf hin, dass wirtschaftliche Zusammenarbeit nur dann funktionieren könne, wenn sie sich an lokalen Akteuren orientiere und deutsche Interessen mit denen der Partnerländer in Einklang bringe.
Der Bericht unterstreicht die Notwendigkeit sowohl von akuter humanitärer Hilfe als auch von langfristiger Präventionsfinanzierung. Die Organisationen fordern das BMZ auf, diese Lücken zu schließen und gleichzeitig sicherzustellen, dass die Reformen inklusiv und praxisnah gestaltet werden. Ihre Vorschläge zielen darauf ab, die deutsche Entwicklungspolitik wirksamer und besser auf globale Herausforderungen auszurichten.
