07 April 2026, 20:08

Mainz 1976: Eiseskälte, ein ungelöster Mord und der neue Glockenbaum als Symbol der Hoffnung

Alte detaillierte Karte von Stadt Mainz, Deutschland, zeigt Straßen, Gebäude und Sehenswürdigkeiten auf altem Papier mit Text.

Mainz 1976: Eiseskälte, ein ungelöster Mord und der neue Glockenbaum als Symbol der Hoffnung

Der Winter 1976 brachte Deutschland extreme Kälte – mit Temperaturen bis zu –22°C am Frankfurter Flughafen Ende Januar. In ganz Europa wurden mindestens 20 Todesfälle mit den eisigen Bedingungen in Verbindung gebracht, während Mainz mit eigenen Herausforderungen kämpfte – von eingefrorenen Autobatterien über steigende Studienkosten bis hin zu laufenden Stadtsanierungsprojekten.

Im Januar 1976 hielt eine extreme Kältewelle die Region im Griff. In der Nacht vom 28. auf den 29. Januar verzeichnete der Frankfurter Flughafen mit –22°C die tiefste Temperatur seit Jahren. Die Kälte führte zu weitreichenden Problemen, darunter massenhafte Batterieausfälle in Autos, die auf den höher gelegenen Flächen in Mainz geparkt waren.

In der Altstadt gingen unterdessen die Restaurierungsarbeiten im Rahmen eines 1972 gestarteten Projekts weiter. Ursprünglich auf sieben Jahre angelegt, verzögerten sich die Arbeiten bis voraussichtlich 1983 oder 1984. Bis 1976 waren 145 neue Sozialwohnungen fertiggestellt worden, wofür über 13 Millionen Mark bereitgestellt worden waren.

Die Universität Mainz stand unter finanziellen Druck. Trotz strenger Numerus-clausus-Regelungen waren im Wintersemester 1975/76 mehr als 19.000 Studierende eingeschrieben. Das Studentenwerk warnte vor einem Defizit von 800.000 Mark. Bereits im November 1975 hatte es zu einem zweitägigen Boykott der Mensa aufgerufen. Auch die Mieten in den Wohnheimen stiegen um 40 Mark pro Monat – eine zusätzliche Belastung für viele Studierende, von denen einige bis zu sechs Monate auf BAföG-Zahlungen warteten.

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Ein dunkles Kapitel der Stadtgeschichte kam 1975 wieder ans Licht. Im April 1969 war ein 47-jähriger jugoslawischer Tagelöhner in einem Tunnel der Mainzer Zitadelle zu Tode geprügelt worden. Sieben Jahre später wurde in Hamburg ein 21-jähriger Mann festgenommen, der die Tat gestand. 1976 wurde er zu acht Jahren Jugendhaft verurteilt.

Eine positivere Nachricht gab es hingegen seit Januar 1975: Vor dem Bildungsministerium in der Mittleren Bleiche steht seither die auffällige Bronzeskulptur "Glockenbaum". Das sieben Meter hohe, drei Tonnen schwere Kunstwerk zeigt 14 Nachbildungen berühmter Glocken, von denen jede 68 kleinere Glocken enthält. Für 160.000 Mark in Auftrag gegeben, ist es bis heute ein markantes Wahrzeichen der Stadt.

Die ersten Monate des Jahres 1976 waren für Mainz eine Zeit der Gegensätze. Während die Stadt mit den Folgen der tödlichen Kältewelle und finanziellen Engpässen an der Universität zu kämpfen hatte, schritten die Stadtsanierungsprojekte voran. Ein lange ungelöster Mordfall fand sein Ende, und mit dem "Glockenbaum" bereicherte eine neue kulturelle Sehenswürdigkeit das Stadtbild.

Quelle