Missbrauchskommission wirft Bistum Erfurt Behinderung der Aufarbeitung vor
Greta SchneiderKommission zur Aufarbeitung sexuellen Missbrauchs klagt über Hindernisse in der Diözese Erfurt - Missbrauchskommission wirft Bistum Erfurt Behinderung der Aufarbeitung vor
Eine unabhängige Kommission, die sexuellen Missbrauch im Bistum Erfurt untersucht, wirft Kirchenvertretern vor, ihre Arbeit behindert zu haben. Die Vorwürfe wurden kurz vor der Beerdigung des früheren Bischofs Joachim Wanke bekannt, der zuvor Versäumnisse bei der Aufarbeitung von Missbrauchsfällen eingeräumt hatte. Der Zeitpunkt der Veröffentlichung des Berichts hat Kritik vom aktuellen Bischof, Ulrich Neymeyr, ausgelöst.
Die im Oktober 2021 eingesetzte Kommission prüft Missbrauchsfälle im Bistum seit 1945. In ihrem jüngsten Jahresbericht, der einen Tag vor Wankes Beerdigung veröffentlicht wurde, heißt es, kirchliche Stellen hätten die Ermittlungen unter Berufung auf den Datenschutz und die Sorge vor Retraumatisierung der Opfer behindert. Das Gremium hatte zunächst rechtliche Schritte erwogen, davon aber wegen der langen Dauer solcher Verfahren wieder Abstand genommen.
Bei der Trauerfeier räumte Bischof Neymeyr Wankes Fehler ein, darunter Entscheidungen im Umgang mit missbrauchenden Priestern, und bat um Vergebung. Wanke selbst hatte jedoch auch konkrete Schritte unternommen, um sich in einzelnen Fällen zu entschuldigen und Fehlverhalten einzugestehen. Dennoch wies Neymeyr die Vorwürfe der Kommission später als unbegründet zurück.
Seit ihrer Gründung hat die Kommission 24 Fälle sexualisierter Gewalt im Bistum bestätigt oder untersucht. Ein Abschlussbericht wird für diesen Herbst erwartet, mögliche Aktualisierungen könnten bis 2026 folgen.
Die Erkenntnisse der Kommission unterstreichen die anhaltenden Spannungen zwischen dem Bistum und den Ermittlern. Angesichts der bereits 24 geprüften Fälle könnte der finale Bericht die Aufarbeitung vergangener Missbrauchsfälle durch die Kirche weiter in den Fokus rücken. Das Bistum steht nun unter Druck, sich vor der Veröffentlichung im Herbst mit den Vorwürfen auseinanderzusetzen.






