04 March 2026, 20:53

Nahost-Krise gefährdet Europas Arzneimittelversorgung – BPI schlägt Alarm

Ein Plakat mit Text über Preisunterschiede von Arzneimitteln im Jahr 2022, mit ein paar Flaschen und einer Spritze unten.

Nahost-Krise gefährdet Europas Arzneimittelversorgung – BPI schlägt Alarm

Europas Arzneimittelversorgung steht vor wachsenden Risiken durch militärische Eskalation im Nahen Osten

Die verschärften Konflikte in der Region haben wichtige Schifffahrtsrouten unterbrochen und sorgen für Befürchtungen, dass es zu Lieferverzögerungen und höheren Kosten bei Pharmaimporten kommen könnte. Als Reaktion darauf hat der Bundesverband der Pharmazeutischen Industrie (BPI) einen Zehn-Punkte-Plan vorgelegt, um Lieferketten zu stärken und die langfristige Stabilität der Gesundheitsversorgung zu sichern.

Die Krise begann am 28. Februar 2026, als US-amerikanische und israelische Angriffe auf den Iran zu einer Blockade der Straße von Hormus führten. Dieser für den Welthandel entscheidende Engpass zwang Schiffe, den Umweg um das afrikanische Kap der Guten Hoffnung zu nehmen – was die Transportzeiten um Wochen verlängerte. Die Versicherungsprämien für die Schifffahrt im Persischen Golf stiegen um 50 Prozent, und Reedereien stufen die Asien-Europa-Route mittlerweile als Hochrisikogebiet ein; einige meiden sie sogar vollständig.

Europas starke Abhängigkeit vom asiatischen Pharmahandel – insbesondere mit China – macht die Arzneimittelversorgung anfällig. Zwar liegen keine genauen Zahlen zu den Transportkosten für Pharmazeutika vor, doch die allgemeinen Störungen haben bereits die Öl- und Frachtraten in die Höhe getrieben. Der BPI warnt, dass diese Entwicklungen ohne Gegenmaßnahmen die Gesundheitssysteme in Krisenzeiten destabilisieren könnten.

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Um die Bedrohung einzudämmen, konzentriert sich der BPI-Plan auf vier zentrale Handlungsfelder: die Abstimmung von Industrie- und Gesundheitspolitik, die Sicherung wettbewerbsfähiger Produktionsbedingungen, die Förderung von Innovation sowie die Diversifizierung des Handels. Zudem fordert der Verband ein Gesundheitssicherheitsgesetz (GeSiG), um die Krisenvorsorge, Digitalisierung und die Bekämpfung von Pandemien sowie antibiotikaresistenten Erregern (AMR) zu verbessern. Ein national verbindliches Resilienzrahmenwerk mit Mindeststandards und dauerhafter Finanzierung steht ebenfalls auf der Agenda.

Über nationale Maßnahmen hinaus betont der BPI die Notwendigkeit einer engeren Koordination zwischen der EU und der NATO. Digitalisierung und Nachhaltigkeit werden als unverzichtbare Instrumente genannt, um Lieferketten abzusichern und die Stabilität der industriellen Gesundheitspolitik zu wahren.

Die Blockade der Straße von Hormus hat die europäischen Arzneimittel-Handelsrouten massiv gefährdet. Die BPI-Vorschläge zielen darauf ab, die Abhängigkeit von einzelnen Handelsrouten zu verringern, die Produktionsresilienz zu stärken und die Arzneimittelversorgung auch in künftigen Krisen zu gewährleisten. Die Umsetzung des Plans erfordert jedoch eine enge Zusammenarbeit zwischen Regierungen, Wirtschaft und internationalen Partnern.