Riester-Rente vor dem Aus: Warum die Reform an Gebührenstreit scheitern könnte
Tim LangRiester-Rente vor dem Aus: Warum die Reform an Gebührenstreit scheitern könnte
Deutschlands Pläne zur Reform der privaten Altersvorsorge lösen heftige Debatten aus. Die vorgeschlagenen Änderungen zielen darauf ab, die umstrittene Riester-Rente durch ein neues Sparmodell mit besseren Marktrenditen zu ersetzen. Doch Streitigkeiten über Gebührenobergrenzen drohen nun, den Fortschritt vor einer entscheidenden Parlamentsanhörung am 16. März zu blockieren.
Das aktuelle Riester-Renten-System, 2001 eingeführt, steht seit Jahren in der scharfen Kritik. Die Teilnahme ist auf unter 15 Millionen Verträge gesunken – ein deutlicher Rückgang gegenüber den einst weit höheren Zahlen. Hohe Abschlusskosten, die 35 bis 45 Prozent der Einzahlungen verschlingen, kombiniert mit mageren Renditen, haben viele Sparer schlechter dastehen lassen. Zwei Drittel der Verträge werfen nicht einmal zwei Prozent Jahreswachstum ab, was nach Inflation oft reale Verluste bedeutet. Die Amortisationszeiten reichen bis zu einem Alter von 99 Jahren, während jeder vierte Sparer seinen Vertrag seit Einführung des Systems gekündigt hat.
Die Reform sieht ein standardisiertes, staatlich gefördertes Produkt vor, das die Kosten senken und die Renditen verbessern soll. Ein zentraler Streitpunkt ist die geplante Obergrenze von 1,5 Prozent jährlicher Gebühren, die Verbraucherschützer und einige Abgeordnete als noch zu hoch kritisieren. Hermann-Josef Tenhagen, Chefredakteur von Finanztip, fordert eine Begrenzung auf 0,5 Prozent, um Sparer wirksam zu schützen. Teile der SPD drängen sogar auf eine noch strengere Deckelung unter 0,5 Prozent.
Finanzminister Lars Klingbeil zeigt sich kompromissbereit bei den Gebührengrenzen. Befürworter einer niedrigeren Obergrenze argumentieren, dass dies den Wettbewerb unter den Anbietern anheizen und Verbrauchern bessere Konditionen bescheren würde. Die Anhörung am 16. März wird zeigen, ob die gegensätzlichen Positionen in eine tragfähige Einigung münden können.
Das Ergebnis der Anhörung wird die Zukunft der privaten Altersvorsorge in Deutschland prägen. Scheitert eine Einigung auf die Gebührenobergrenzen, drohen weitere Verzögerungen der Reform. Eine strengere Deckelung könnte Anbieter zwar zu wettbewerbsfähigeren Angeboten zwingen, doch der Widerstand aus Teilen der Branche bleibt groß.