Thüringen führt als erstes ostdeutsches Land die "Nachrichtenviertelstunde" ein
Greta SchneiderSchüler diskutieren Altersgrenze für Social Media - Thüringen führt als erstes ostdeutsches Land die "Nachrichtenviertelstunde" ein
Thüringen startet als erstes ostdeutsches Bundesland die "Nachrichtenviertelstunde"
Mit der neuen Schulinitiative "Nachrichtenviertelstunde" führt Thüringen als erstes ostdeutsches Bundesland regelmäßige 15-minütige Diskussionen über verfassungsrechtliche und gesellschaftspolitische Themen ein. Ziel ist es, den Austausch über sozial relevante Fragestellungen im Schulalltag zu fördern. Bildungsminister Christian Tischner gab diese Woche in einer Gemeinschaftsschule in Arnstadt offiziell den Startschuss für die Pilotphase.
In den ersten Einheiten der "Nachrichtenviertelstunde" diskutierte Minister Tischner persönlich mit den Schülerinnen und Schülern. Themenschwerpunkte waren unter anderem Meinungsfreiheit, Gleichberechtigung, politische Teilhabe und Menschenrechte. In einer Debatte ging es etwa um mögliche Altersbeschränkungen für soziale Medien wie TikTok, Snapchat und Instagram – einige Jugendliche sprachen sich dabei für strengere Regeln aus.
Das Projekt wird mit einem ähnlichen Format in Bayern verglichen, das bereits früher eingeführt wurde. Kritik kommt jedoch von politischen Gruppen wie der AfD und der Linken. Gegner argumentieren, dass die kurzen Diskussionen kaum Mehrwert gegenüber dem bestehenden Politikunterricht böten.
Aktuell nehmen 22 Schulen in Thüringen an der Pilotphase teil. Minister Tischner kündigte an, das Programm bis zum Schuljahr 2026/2027 auf weitere Einrichtungen auszuweiten.
Die "Nachrichtenviertelstunde" ist der erste strukturierte Versuch Thüringens, regelmäßige gesellschaftspolitische Debatten fest im Schulablauf zu verankern. Bei Erfolg könnte das Modell auch andere Bundesländer inspirieren – bisher hat jedoch noch kein weiteres Land ein vergleichbares Konzept übernommen. Wie es mit der Initiative weitergeht, hängt maßgeblich von der Resonanz bei Lehrkräften und Schülerinnen und Schülern ab.
