Toxische Männlichkeit und Frauenhass: Warum die "Manosphere" ungestört wächst
Matteo WolfToxische Männlichkeit und Frauenhass: Warum die "Manosphere" ungestört wächst
Frauenfeindlichkeit und toxische Männlichkeit verbreiten sich ungehindert in digitalen Räumen – oft ohne Konsequenzen. Online-Bewegungen wie die "Manosphere" prägen das Weltbild junger Männer und verbreiten extreme Vorstellungen von Geschlechterrollen. Gleichzeitig missbrauchen mächtige Männer in Politik, Arbeitswelt und sozialen Medien weiterhin ihre Position, um Frauen herabzusetzen – und müssen nur selten mit echten Konsequenzen rechnen.
Die #MeToo-Bewegung forderte einst systemischen Sexismus heraus, doch heute kämpft sie gegen eine wachsende Gegenbewegung. Viele Männer lehnen ihre Ziele offen ab, stempeln sie als "woken Unsinn" ab und feiern eine Rückkehr zu unkontrolliertem Verhalten. Frauen erleben nach wie vor Herablassung, sexualisierte Kommentare und Demütigungen – besonders von Männern in einflussreichen Positionen.
Die "Manosphere" gewinnt an Einfluss, indem sie jungen Männern ein Gefühl von Zugehörigkeit vermittelt – oft durch verzerrte Männlichkeitsbilder. Ihre Meinungsmacher propagieren übersteigerte Männlichkeitsideale, manche fordern sogar, Frauen sollte das Wahlrecht entzogen werden. Die Bewegung hat das politische Engagement enttäuschter junger Männer gestärkt und unterstützt damit Figuren wie Trump in den USA oder die AfD in Deutschland.
In der Schweiz haben Politiker:innen die Entwicklung registriert: Der Bundesrat nahm 2024 ein Postulat an, das einen Bericht über toxische Männlichkeit und ihren Zusammenhang mit Femiziden fordert. Doch trotz wachsender Besorgnis bleibt ein Großteil der Übergriffe – ob online oder im echten Leben – straffrei.
Soziale Medien und Kommentarspalten sind weiterhin Brutstätten für Frauenhass. Nicht alle Männer beteiligen sich daran, doch das Problem ist so verbreitet, dass es die öffentliche Debatte prägt. Die schlimmsten Hetzer sind oft selbst in Machtpositionen und verbreiten ihre Gift ungestört – ohne ernsthafte Konsequenzen zu fürchten.
Der Aufstieg der "Manosphere" und die anhaltende Frauenfeindlichkeit zeigen einen tiefgreifenden kulturellen Wandel. Frauen müssen weiterhin Misshandlung ertragen, während sich viele Männer jeder Verantwortung entziehen. Ohne entschlossenes Handeln drohen diese schädlichen Einstellungen sich noch weiter in Politik und Gesellschaft zu verankern.






