Warum lokale Arbeitsprogramme für Asylsuchende kaum genutzt werden – und wie Thüringen das ändern will
Matteo WolfWarum lokale Arbeitsprogramme für Asylsuchende kaum genutzt werden – und wie Thüringen das ändern will
Lokale Arbeitsprogramme für Asylsuchende: bewährtes Instrument, aber kaum genutzt
Lokale Arbeitsprogramme für Geflüchtete sind seit langem ein wichtiges Werkzeug für deutsche Landkreise und Städte. Solche Initiativen helfen, Qualifikationen zu erhalten, geben Struktur im Alltag und können den Weg in reguläre Beschäftigung ebnen. Doch ihre Nutzung bleibt begrenzt – besonders für neuere Zuzügler wie Ukrainer:innen seit April 2025.
In Thüringen setzen viele Landkreise gezielt auf Arbeitsgelegenheiten, um Asylsuchende zu unterstützen. Die Region verzeichnet einen spürbaren Anstieg solcher Aktivitäten. Bundesweite Zahlen, wie viele Kommunen solche Programme anbieten, gibt es jedoch nicht.
Das aktuelle Bürgergeld-System stellt strenge Anforderungen an Arbeitsprojekte: Sie müssen einen Mehrwert schaffen, im öffentlichen Interesse liegen und marktneutral sein. Diese Auflagen machen die Umsetzung übermäßig bürokratisch. Die Folge: Die Teilnahme bleibt gering – trotz des potenziellen Nutzens.
Thüringens Landeswohlfahrtschef Brötel fordert nun Reformen. Er will das Bürgergeld-System so anpassen, dass der Zugang zu lokalen Arbeitsmöglichkeiten erleichtert wird. Seine Vorschläge umfassen erweiterte Optionen, um Beschäftigung gezielt zu fördern – oder sogar vorzuschreiben – für diejenigen, die nur schwer auf dem regulären Arbeitsmarkt Fuß fassen.
Falls der Übergang in reguläre Jobs misslingt, könnten lokale Arbeitsprogramme eine entscheidende Alternative bieten. Brötels Initiative zielt darauf ab, Bürokratie abzubauen und die Teilnahme zu steigern. Das Ziel: die Programme praxistauglicher zu machen – für Behörden wie für Arbeitssuchende.
Neuer legislativer Anstoß macht Arbeit für Bürgergeld-Empfänger Pflicht
Eine aktuelle Bundestagsdebatte am 5. März 2026 hat Vorschläge vorangetrieben, um Arbeit für Bürgergeld-Empfänger verpflichtend zu machen. Wichtige Änderungen umfassen:
- Eine 15-stündige wöchentliche 'Bürgerarbeit'-Verpflichtung nach sechs Monaten für Personen, die nicht in einer 20+ Stunden-Stelle beschäftigt sind.
- Singles müssen Vollzeit arbeiten, wenn es vernünftig ist, um staatliche Unterstützung zu eliminieren.
- Eltern mit Kindern unter 14 Monaten können nun Arbeitspflichten haben, gegenüber der vorherigen Dreijahresgrenze verringert. Diese Reformen stehen im Einklang mit den Forderungen des DLT-Präsidenten Brötel, lokale Arbeitsprogramme zu straffen und bürokratische Hindernisse zu reduzieren.
