Warum Thüringer Unis Plagiate erst nach der Promotion ahnden – und Politiker öfter betroffen sind
Greta SchneiderWie häufig werden Doktorgrade in Thüringen aberkannt? - Warum Thüringer Unis Plagiate erst nach der Promotion ahnden – und Politiker öfter betroffen sind
Thüringens vier Landesuniversitäten haben noch nie einen Doktortitel wegen Plagiats vor der Verleihung verweigert. Doch seit 2011 hat die Region mehrere prominente Fälle erlebt, in denen Politiker – darunter Ministerpräsident Mario Voigt – ihren Doktortitel wegen Plagiatsvorwürfen aberkannt bekamen. Dieser Gegensatz wirft Fragen auf, wie Hochschulen mit wissenschaftlichem Fehlverhalten vor und nach der Titelvergabe umgehen.
Deutschlandweit wurden seit 2011 etwa 80 bis 100 Doktorgrade wegen Plagiats entzogen oder zurückgenommen, wie Datenbanken wie VroniPlag Wiki zeigen. Die meisten Betroffenen waren keine Politiker; häufig leiteten Einrichtungen wie die Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf oder die Universität Göttingen entsprechende Verfahren ein. In Thüringen hat jedoch nur die Friedrich-Schiller-Universität Jena in den vergangenen 15 Jahren zwei Doktorarbeiten aberkannt – und zwar erst nach externen Hinweisen.
Die Thüringer Hochschulen setzen auf Prävention statt auf Bestrafung. Sie verlassen sich auf mehrjährige Betreuung und mündliche Prüfungen, um Plagiate zu verhindern. Doch der Einsatz von Plagiatssoftware bleibt für Betreuer und Prüfer freiwillig. Diese Herangehensweise birgt Lücken, zumal aktuelle Programme KI-generierte Inhalte in Dissertationen oft nicht zuverlässig erkennen können.
Keine Thüringer Universität hat bisher einen Titel vor der Verleihung wegen Plagiats blockiert, doch Politiker der Region standen wiederholt in der Kritik. Voigts Fall ist einer von mehreren, in denen der Doktortitel erst nach der Promotion aufgrund von Vorwürfen entzogen wurde. Dies deutet darauf hin, dass die Kontrolle bei öffentlichen Persönlichkeiten strenger sein könnte als in rein akademischen Fällen.
Die Hochschulen Thüringens betonen, dass ihre präventiven Maßnahmen das Plagiatsrisiko mindern. Doch solange der Einsatz von Prüfsoftware freiwillig bleibt und KI neue Herausforderungen schafft, gibt es weiterhin Kontrolllücken. Die seltenen Aberkennungen – beschränkt auf zwei Fälle in Jena – zeigen ein System, das eher nach der Verleihung als vorher eingreift.