Wie das Zeitungssterben in Greiz rechtsextremen Plattformen Tür und Tor öffnete
Matteo WolfWie das Zeitungssterben in Greiz rechtsextremen Plattformen Tür und Tor öffnete
Im Frühling 2023 stellte die Ostthüringer Zeitung (OTZ) in elf ländlichen Gemeinden rund um Greiz die Druckausgabe ein. Der plötzliche Wechsel zum rein digitalen Angebot traf viele langjährige Leser unvorbereitet – darunter die 50 Jahre lang abonnierte Oma Paluschke. Gleichzeitig nutzten rechtsextrem nahestehende Plattformen die Lücke, die das Verschwinden der lokalen Presse hinterließ.
Die Eigentümerin der OTZ, die Funke Mediengruppe, kündigte das Ende der gedruckten Ausgabe nur acht Wochen im Voraus an. Oma Paluschke, die jahrzehntelang auf die Zeitung vertraut hatte, erhielt ein Tablet und eine kurze Einführung ins digitale Lesen. Doch fast die Hälfte ihrer Nachbarn kündigte stattdessen einfach ihr Abo.
Ohne die traditionelle Zeitung griffen viele in Greiz zu Gemeindeblättern oder kostenlosen Anzeigenzeitungen. Ein neues Medium, der Heimatbote Vogtland, tauchte online auf – mit Verbindungen zu lokalen AfD-Politikern. Es berichtete über AfD-Aktivitäten, ohne seine politischen Verflechtungen offenzulegen, eine Praxis, die Kritiker als "Pink-Slime-Journalismus" bezeichnen.
Das Netzwerk Recherche untersuchte die Folgen in Greiz im Rahmen seines Projekts "Lückenfüller". Die Ergebnisse zeigten, wie das durch die OTZ entstandene Vakuum parteiischen Plattformen ermöglichte, die lokale Berichterstattung zu prägen. Unterdessen gewöhnte sich Oma Paluschke an ihr E-Paper – und begann sogar mit Online-Dating.
Der digitale Wandel der OTZ hinterließ im ländlichen Greiz weniger unabhängige Nachrichtenquellen. Rechtsextreme Plattformen wie der Heimatbote Vogtland sprangen in die Bresche und warfen Fragen nach politischer Einflussnahme in der lokalen Berichterstattung auf. Die Region dient nun als Fallbeispiel dafür, was passiert, wenn traditionelle Zeitungen verschwinden.






