14 March 2026, 20:06

Wie die DDR 1988 Joseph Beuys zögerlich in ihre Kunstwelt ließ

Ein Plakat für die Kunststässstellung secession im Gartenbau, Deutschland, das eine Person in einem langen, wallenden Kleid zeigt, die einen Stock hält und einen entschlossenen Gesichtsausdruck hat, vor einem tiefblauen Hintergrund mit Sternen, umgeben von fetter weißer Schrift.

Wie die DDR 1988 Joseph Beuys zögerlich in ihre Kunstwelt ließ

1988 richtete die DDR ihre erste und einzige Ausstellung zu Joseph Beuys aus – eine umstrittene Figur, die der Staat jahrelang gemieden hatte. Die Schau lief von Mitte Januar bis Mitte Mai und stellte eine seltene Anerkennung des Künstlers im Rahmen der DDR dar. Trotz seines Todes zwei Jahre zuvor war Beuys' Einfluss mittlerweile zu groß, als dass die Funktionäre ihn vollständig ignorieren konnten.

Jahre lang hatte die Kulturpolitik der DDR Beuys als "unerwünschte Person" eingestuft. Seine gesellschaftskritische Kunst und demokratischen Ansichten kollidierten mit der Staatsideologie. Doch Ende der 1980er Jahre konnten selbst die künstlerischen Institutionen der DDR seine Bedeutung nicht länger übergehen.

Verhandlungen begannen, um die Ausstellung Beuys vor Beuys ins Land zu holen. Manfred Wekwerth, Präsident der Akademie der Künste, wandte sich in einem Schreiben an das ZK der SED und anerkannte Beuys' Wichtigkeit. Die Schau eröffnete zunächst im Berliner Marstall, bevor sie an die Leipziger Hochschule für Grafik und Buchkunst weiterzog.

Gezeigt wurden 216 Werke aus der Sammlung van der Grinten, alle zwischen 1946 und 1966 entstanden. Allerdings vermieden die Organisatoren sorgfältig jeden Hinweis auf Beuys' politisches Engagement oder seine demokratischen Ideale. Der Fokus lag strikt auf seinem frühen künstlerischen Schaffen.

Die Ausstellung von 1988 war ein vorsichtiger Schritt: Beuys' Kunst wurde in der DDR zugelassen, doch ihr politischer Kontext blieb ausgeblendet. Vier Monate lang bot sie dem ostdeutschen Publikum einen begrenzten, aber beispiellosen Einblick in sein Werk. Bis zum Fall der DDR blieb es die einzige offizielle Beuys-Ausstellung des Landes.

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