Wie ein Dorf zum Geheimtipp der Kulturszene wurde – Netzebands magischer Theatersommer
Ella WagnerWie ein Dorf zum Geheimtipp der Kulturszene wurde – Netzebands magischer Theatersommer
Aus dem beschaulichen Dorf Netzeband ist ein kultureller Anziehungspunkt geworden – dank des jährlichen Theatersommers, der die kleine Gemeinde in die Liga renommierter Festspiele wie Salzburgs Jedermann oder die Oberammergauer Passionsspiele katapultiert. Von Mitte Juni bis Ende August verbindet das Festival professionelle Aufführungen mit bürgerschaftlichem Engagement und strebt nach demselben Kultstatus wie seine großen Vorbilder.
Die Wurzeln des Festivals reichen bis zum Landschaftsarchitekten Horst Wagenfeld zurück, der die Dorfkirche und die Gaststätte vor dem Verfall rettete. Er gestaltete das Gelände zu einem grünen Amphitheater um und legte so den Grundstein für die heutigen Feiern. Vor der Temnitzer Kirche erinnert heute eine Stele an Wagenfeld und seine Frau Johanna, die Netzeband zu einem kulturellen Ort prägten.
Seit 2006 treibt der Schauspieler, Regisseur und Autor Frank Matthus die Entwicklung des Festivals voran. Sein Konzept des „synchronisierten Theaters“ inspirierte groß angelegte Produktionen, darunter das anstehende Opernspektakel Die Nacht des Schicksals. In diesem Jahr steht eine Freilichtinszenierung von Dylan Thomas’ Unter dem Milchwald auf dem Programm – das Dorf verwandelt sich dafür in das fiktive Llareggub, bevölkert von überlebensgroßen Figuren seiner literarischen Bewohner.
Doch nicht nur die Bühnenkunst zieht die Besucher an: Die Natur der Region verleiht dem Festival zusätzlichen Reiz. Wenn der Regionalexpress RE6 den Bahnhof von Netzeband verlässt, begleitet Vogelgesang die Fahrt. Das nahegelegene Kyritzer-Ruppiner Heidegebiet beherbergt 79 Vogelarten, davon 28 bedrohte. Bevor der in den USA geborene Tenor J. Warren Mitchell sein Kirchenkonzert gibt, trägt er zudem Opernarien in Netzeband vor und bereichert so das kulturelle Angebot.
Der Theatersommer Netzeband wächst stetig – eine gelungene Symbiose aus Theater, Musik und Natur. Das einzigartige Zusammenspiel von professioneller Kunst und lokaler Teilhabe lockt Gäste in das einst ruhige Dorf. Sein Erfolg gründet auf dem Weitblick jener, die Landschaft und kulturelle Identität der Region neu erfanden.
