Energie sparen in der Dusche: Wärmerückgewinnung der Zukunft
Ein ehemaliger Mercedes-Benz-Ingenieur hat sich nun der Energieeffizienz verschrieben und ein Unternehmen gegründet, das Wärme aus Duschwasser zurückgewinnt. Steffen Nittbaur gründete 2021 gemeinsam mit seinem Sohn Valentin die Unocconi GmbH, um eine wenig bekannte, aber hochwirksame Technologie in deutschen Haushalten zu etablieren.
Das System greift eine alte Idee auf – die Wiederverwertung von Abwärme aus Abwasser – stößt in Deutschland jedoch auf regulatorische Hürden. Obwohl die Technologie in anderen europäischen Ländern weit verbreitet ist, bleibt sie hierzulande eine Seltenheit.
Steffen Nittbaur arbeitete über 25 Jahre bei Mercedes-Benz, bevor er das Unternehmen mit einem Abfindungspaket verließ. Nach einem Masterstudium in Umweltwissenschaften erkannte er das Potenzial der Wärmerückgewinnung. Sein Sohn Valentin, der Betriebswirtschaft studiert hatte und zuvor im Vertrieb von Werkzeugmaschinen tätig war, stieg 2025 in das Familienunternehmen ein, um den Ausbau voranzutreiben.
Die Technologie selbst hat eine lange Geschichte. Bereits 1716 errichtete der Schwede Marten Trivald die erste zentrale Warmwasserheizung für ein Gewächshaus in Newcastle. Später ebneten Innovationen wie die Dampfheizung von Johannes Haag im Schloss Sigmaringen (1843) oder das Thermostatventil von Mads Clausen (1943) den Weg für moderne Systeme. Doch die dezentrale Wärmerückgewinnung aus Duschwasser – von Wissenschaftlern als eine der effizientesten Methoden in Gebäuden eingestuft – konnte sich in Deutschland bisher nicht durchsetzen.
Nittbaur ist überzeugt, dass steigende Energiekosten und das EU-Emissionshandelssystem die Nachfrage nach solchen Lösungen erhöhen werden. Während Länder wie Schweden oder die Niederlande die Wärmerückgewinnung aus Duschwasser längst standardmäßig nutzen, hemmen deutsche Vorschriften die Verbreitung. Die Unocconi GmbH will das nun ändern, indem sie die Technologie zugänglicher macht.
Das System des Unternehmens nutzt Wärme, die sonst ungenutzt verbliebe. Angesichts steigender Energiepreise und verschärfter Klimavorgaben könnte der Ansatz Haushalten helfen, Kosten und Emissionen zu senken. Die größte Herausforderung bleibt jedoch, Behörden und Bauherren von einer bewährten, aber oft übersehenen Lösung zu überzeugen.
