Berlin entdeckt Heinrich Zilles verborgene Meisterwerke – eine Ausstellung zeigt sein unbekanntes Erbe

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Ein altes Buch namens "Marienburg, Das Sanythaus bei deutschen Orben" von O. Leitan, veröffentlicht 1944, mit einer detaillierten Illustration einer Stadt auf dem Cover.Admin User

Berlin entdeckt Heinrich Zilles verborgene Meisterwerke – eine Ausstellung zeigt sein unbekanntes Erbe

Eine neue Ausstellung in Berlin rückt das oft übersehene Werk Heinrich Zilles in den Fokus – eines der einflussreichsten Künstler Deutschlands. Bis Juli zeigt „Heinrich Zille – Das Original: Verborgenen Werke“ die Tiefe und Meisterschaft hinter seinen Zeichnungen, von denen viele jüngeren Generationen und selbst internationalen Besuchern des historischen Nikolaiviertels kaum bekannt sind.

Heinrich Zille (1858–1929) wurde berühmt für seine schonungslosen Darstellungen des Berliner Arbeiterelends. Mit scharfem Blick und mitfühlender Hand entlarvten seine Skizzen die harte Realität der Armut in der Stadt – ein Werk, das ihm sowohl Bewunderung als auch Kontroversen einbrachte. Doch trotz seines Rufs blieb ein Großteil seines Schaffens der Öffentlichkeit verborgen, darunter Stücke aus den Depots des Märkischen Museums und der Privatkollektion von Friede Springer, Deutschlands größter Verlegerin.

Das Zille-Museum im Nikolaiviertel, das selbst keine Originale des Künstlers besitzt, ist für seine Ausstellungen vollständig auf Leihgaben angewiesen. Einige von Zilles gewagteren Werken – darunter freizügige, ja sogar pornografische Zeichnungen, die er unter Pseudonym aus finanzieller Not anfertigte – sind diskret in einer Ecke untergebracht. Die Existenz des Museums war stets prekär, abhängig von Eintrittsgeldern und Souvenirverkäufen. Der Kunsthistoriker Matthias Flügge zitierte einst den Bildhauer Ernst Barlach, der Zilles außergewöhnliches Talent erkannte. Diese Brillanz ist nun in voller Pracht zu sehen – nicht zuletzt dank privater Sammler, die seltene Werke für die Ausstellung zur Verfügung stellten. Heinjörg Preetz-Zille, der Urenkel des Künstlers, dankte ihnen öffentlich für ihr Engagement. Doch das Erbe Zilles war nicht ohne Schattenseiten: Der Fälscher Edgar Mrugalla überschwemmte einst den Markt mit gefälschten Zille-Zeichnungen, von denen einige möglicherweise noch heute in deutschen Museen lagern.

Die Ausstellung bietet eine seltene Gelegenheit, Zilles weniger bekannte Werke zu entdecken, bevor sie wieder in Depots oder Privatbesitz verschwinden. Angesichts der unsicheren Zukunft des Museums, das weiter auf Besucherzahlen angewiesen ist, dient die Schau auch als Mahnmal für den fragilen Fortbestand seines künstlerischen Erbes. Für viele könnte es die erste – und einzige – Chance sein, die ganze Bandbreite seines Talents zu erleben.

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