Volkswagen setzt auf Rüstung: Rettet Rheinmetall-Partnerschaft das Werk Osnabrück?
Greta SchneiderVolkswagen setzt auf Rüstung: Rettet Rheinmetall-Partnerschaft das Werk Osnabrück?
Volkswagen und Rheinmetall vertiefen Zusammenarbeit – Rüstung als Rettungsanker?
In den vergangenen fünf Jahren haben Volkswagen und Rheinmetall ihre Partnerschaft ausgebaut und gemeinsam an Militärfahrzeugen für die Bundeswehr gearbeitet. Angesichts der branchenweiten Herausforderungen, vor denen VW steht, sieht die Betriebsratsvorsitzende im Rüstungsgeschäft nun eine mögliche Zukunft. Daniela Cavallo zeigt sich offen für Aufträge aus dem Verteidigungssektor – insbesondere für das Werk Osnabrück, wo die Pkw-Produktion schrittweise eingestellt wird.
Die Kooperation zwischen Volkswagen und Rheinmetall weitete sich 2022 aus, als VW Nutzfahrzeuge wie die MAN-HX-Baureihe an die Bundeswehr lieferte. 2024 und 2025 wurde die Zusammenarbeit weiter intensiviert: Rheinmetall übernahm die Führung bei der Produktion gepanzerter Fahrzeuge wie des Schützenpanzers Puma, während Volkswagen-Werke – darunter das in Hannover – Logistik- und Unterstützungsfahrzeuge fertigten.
Doch auch in den eigenen Reihen steht Volkswagen vor tiefgreifenden Veränderungen. Noch in diesem Jahr endet in Osnabrück die Produktion der Porsche-Modelle, und bis Mitte 2027 soll das T-Roc Cabriolet eingestellt werden. Cavallo, Chefin des Gesamtbetriebsrats, lehnt Werksschließungen – auch in Osnabrück – entschieden ab. Stattdessen schlägt sie vor, den Standort für die Rüstungsproduktion umzuwidmen. Als Beleg verweist sie auf bereits entwickelte Militärfahrzeug-Prototypen auf VW-Basis.
Gleichzeitig positioniert sich Cavallo klar gegen neue Sparmaßnahmen, die die Belegschaft belasten könnten. Zwar sieht der Kostensenkungsplan des Konzerns bis 2030 den Abbau von 35.000 Stellen in Deutschland vor, doch sie besteht darauf, dass bestehende Vereinbarungen eingehalten werden und betriebsbedingte Kündigungen ausscheiden. Zugleich räumt sie ein, dass geopolitische Spannungen und Handelskonflikte die Automobilbranche unter Druck setzen. Dennoch ist sie überzeugt, dass das vereinbarte Sparpaket das Unternehmen stabilisieren und den Weg zur Erholung ebnen wird.
Ihr Engagement geht über die unmittelbaren Interessen Volkswagens hinaus. Cavallo plädiert dafür, dass Deutschland und Europa ihre Abhängigkeit von externen Rüstungslieferanten verringern müssen. Die Militärproduktion sieht sie als strategische Chance – nicht nur für den Konzern, sondern für die gesamte industrielle Widerstandsfähigkeit des Kontinents.
Der Kurswechsel hin zu Rüstungsaufträgen könnte Volkswagen eine neue Perspektive eröffnen, besonders in Osnabrück, wo die klassische Automobilfertigung ausläuft. Cavallos Weigerung, Werksschließungen hinzunehmen, und ihr Einsatz für die Rüstungsproduktion spiegeln eine umfassendere Strategie wider: Arbeitsplätze sichern und gleichzeitig den Wandel der Branche mitgestalten. Ob dies gelingt, hängt davon ab, ob die geplanten Einsparungen greifen und die Verteidigungspartnerschaften wie vorgesehen ausgebaut werden.
